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Lipödem

Allgemeines 
Allgemeines 

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des subkutanen Fettgewebes, von der fast ausschließlich Frauen betroffen sind. Es ist gekennzeichnet durch eine unverhältnismäßige und symmetrische Volumenvergrößerung der Gliedmaßen, vor allem an den Beinen und manchmal auch an den Armen, verbunden mit Schmerzen, einer Überempfindlichkeit des Gewebes und einer Kapillarzerbrechlichkeit, die leicht zu Blutergüssen führt.

Das Lipödem gilt heute als multifaktorielle Erkrankung, an der folgende Mechanismen beteiligt sind:

  • hormonelle

  • genetische

  • entzündliche

  • mikrovaskuläre

  • metabolische

Im Gegensatz zu früheren Beschreibungen ist das Lipödem kein „Flüssigkeitsproblem“ oder eine Lymphstörung. Es handelt sich in erster Linie um eine Erkrankung des Fettgewebes mit entzündlichen und schmerzhaften Veränderungen, die in bestimmten Fällen sekundär mit einer Lymphstörung einhergehen können.

Das Lipödem darf nicht als rein ästhetisches Problem betrachtet werden. Es kann erhebliche Auswirkungen haben auf:

  • die Mobilität

  • die Lebensqualität

  • das Körperbild

  • die psychische Gesundheit

  • die Alltagsaktivitäten


Was sind die Symptome des Lipödems ?

Die Symptome können von Person zu Person variieren und stehen nicht immer in Zusammenhang mit dem Ausmaß der Volumenvergrößerung der Gliedmaßen.

Die wichtigsten klinischen Anzeichen sind:

 

  • symmetrische Schwellung der Beine und/oder Arme

  • typische Schonung der Füße und Hände

  • spontane oder bei Berührung auftretende Schmerzen

  • Gefühl von Schwere oder Anspannung

  • Überempfindlichkeit des Gewebes

  • leichte Blutergussbildung

  • Ermüdung der Gliedmaßen

  • Gefühl von Schwellung

  • Bewegungseinschränkungen

  • Unverhältnismäßigkeit zwischen Ober- und Unterkörper

 

​Bei einigen Patientinnen treten außerdem auf:

​​

  • orthopädische Beschwerden

  • eine Einschränkung der körperlichen Aktivität

  • Schwierigkeiten, passende Kleidung zu finden

  • psychisches Leiden aufgrund der Blicke, die auf ihren Körper gerichtet sind

Pathophysiologie: Der aktuelle Wissensstand

Die genauen Mechanismen des Lipödems sind noch nicht vollständig geklärt. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um eine komplexe Erkrankung handelt, an der mehrere miteinander verknüpfte Mechanismen beteiligt sind.

 

​Genetische Faktoren

Häufig lässt sich eine familiäre Veranlagung feststellen. Derzeit werden mehrere Gene untersucht, die eine Rolle spielen bei:

 

 

  • der Hormonregulation

  • ​der Adipozyten-Differenzierung

  • der Mikrozirkulation

  • dem Bindegewebe

 

​werden derzeit untersucht.

 

 

Das Lipödem scheint also eine genetische Komponente zu haben.

Hormonelle Faktoren und Lebenszyklen

Hormone spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Lipödems.

 

Die ersten Symptome treten häufig in Phasen erheblicher hormoneller Veränderungen auf:

 

  • Pubertät

  • ​Schwangerschaft

  • Wochenbett

  • Perimenopause

  • Menopause

 

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Östrogene und ihre Rezeptoren eine Rolle spielen bei:

  • die Verteilung des Fettgewebes

  • ​Entzündungsprozesse

  • die Gefäßpermeabilität

  • Schmerzen

Die Menopause scheint eine besonders wichtige Phase darzustellen, in der bei einigen Patientinnen Folgendes auftritt:

  • ​eine Verschlimmerung der Schmerzen

  • ​eine Zunahme des Volumens

  • eine Einschränkung der Beweglichkeit

  • stoffwechselbedingte Veränderungen, die Entzündungen begünstigen

Entzündung und Fettgewebe

Das Fettgewebe beim Lipödem weist folgende Merkmale auf:

  • eine Hypertrophie der Adipozyten

  • verstärkte Entzündungserscheinungen

  • Kapillarzerbrechlichkeit

  • eine fortschreitende Fibrose des Unterhautgewebes

 

Diese Erscheinungen können beitragen zu:

 

  • ​Schmerzen

  • ​einem Spannungsgefühl

  • Überempfindlichkeit

  • funktionellen Einschränkungen

In bestimmten fortgeschrittenen Formen kann es zu einer sekundären Beeinträchtigung des Lymphsystems kommen, die zu einem Lipolymphödem führen kann.

Verläuft das Lipödem zwangsläufig fortschreitend?

Nein.

Das Lipödem sollte nicht als eine zwangsläufig fortschreitende Erkrankung betrachtet werden.

 

Der Krankheitsverlauf hängt wahrscheinlich von zahlreichen Faktoren ab:

 

  • hormonelle Schwankungen

  • ​Gewichtszunahme

  • begleitende Adipositas

  • ​Bewegungsmangel

  • eingeschränkte Mobilität

  • chronische Entzündungen

  • Begleiterkrankungen

  • frühzeitige oder verspätete Behandlung

 

Eine angemessene und frühzeitige Behandlung kann dazu beitragen:

 

  • ​die Symptome zu stabilisieren,

  • ​die Mobilität zu erhalten,

  • die Lebensqualität zu verbessern

  • und die funktionelle Verschlechterung zu begrenzen.

 

Lipedem und Adipositas

 

​Das Lipödem unterscheidet sich von der Adipositas, doch können beide Erkrankungen gleichzeitig auftreten.

 

Die vom Lipödem betroffenen Körperregionen sprechen oft nur wenig auf herkömmliche Diäten und Gewichtsabnahme an. Adipositas kann jedoch Folgendes verschlimmern:

 

  • Schmerzen

  • ​Entzündungen

  • ​Funktionseinschränkungen

  • orthopädische Beschwerden

  • Mobilitätsprobleme

 

Das Ziel der Behandlung ist nicht das Abnehmen, sondern:

  • die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit,

  • ​die Erhaltung der Mobilität,

  • die Linderung der Symptome,

  • die Vorbeugung von Komplikationen

 

Ein angepasster Ernährungsansatz ohne Schuldgefühle kann im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung von Vorteil sein.

Klassifizierung des Lipödems

Das Lipödem wird in der Regel anhand morphologischer Kriterien klassifiziert.

 

Stadium 1

 

  • ​glatte Haut

  • ​gleichmäßige Zunahme des Fettgewebes

  • geschmeidiges Gewebe

 

​Stadium 2

 

  • Auftreten von Fettknötchen

  • ​unregelmäßige Haut

  • Zunahme der Fibrose

 

Stadium 3

 

  • ​starke Fettansammlungen

  • ​Deformierungen der Gliedmaßen

  • Hautfalten

  • mögliche mechanische Einschränkungen

 

Lipolymphödem

In bestimmten Fällen kann es zu einer sekundären Beeinträchtigung des Lymphsystems kommen, was ein begleitendes Ödem zur Folge hat.

Diagnose des Lipödems
Diagnose des Lipödems

Die Diagnose stützt sich hauptsächlich auf:

  • die Anamnese

  • die körperliche Untersuchung

  • den Ausschluss anderer Erkrankungen

 

​Derzeit gibt es keinen spezifischen labortechnischen Test, mit dem sich die Diagnose bestätigen lässt.

 

Bei der Beurteilung sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • die Schmerzen

  • die funktionellen Einschränkungen

  • ​die Mobilität

  • die psychosozialen Auswirkungen

  • die damit verbundenen Begleiterkrankungen

 

Differentialdiagnose

Zur Diagnose eines Lipödems müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome aufweisen können.

 

Die Differentialdiagnose umfasst insbesondere:

 

  • ​gynoide Adipositas

  • ​Lipohypertrophie

  • Lymphödem

  • Phlebo-Lymphödem

  • chronische Veneninsuffizienz

  • bestimmte endokrine Erkrankungen

  • chronische Schmerzsyndrome

  • bestimmte vaskuläre oder entzündliche Erkrankungen

 

Dieser Schritt ist unerlässlich, um eine geeignete Behandlung vorschlagen zu können.

Multimodaler Therapieansatz
Multimodaler Therapieansatz

Die Behandlung des Lipödems muss individuell angepasst und multidisziplinär sein.

 

Das Ziel ist nicht nur die Verringerung des Volumens, sondern vor allem:

 

  • die Linderung von Schmerzen

  • ​die Verbesserung der Mobilität

  • ​die Erhaltung der Funktionsfähigkeit

  • die Verbesserung der Lebensqualität

  • die Vorbeugung von Komplikationen

Angepasste körperliche Aktivität​

Körperliche Aktivität spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung.

 

Sie trägt dazu bei:

 

  • ​die körperliche Fitness zu verbessern

  • ​die Mobilität zu erhalten

  • Schmerzen zu lindern

  • Entzündungen zu verringern

  • das psychische Wohlbefinden zu verbessern

  • Bewegungsmangel vorzubeugen

 

Zu den empfohlenen Aktivitäten können gehören:

 

  • ​Gehen

  • ​Schwimmen

  • Wassergymnastik

  • Radfahren

  • Krafttraining

  • Trampolinübungen

  • gelenkschonende Aktivitäten

 

Das Ziel ist es, einen aktiven Lebensstil zu fördern, der an die individuellen Fähigkeiten jeder Person angepasst ist.

Kompressionstherapie und Betreuung durch einen auf Lymphologie spezialisierten Gesundheitsfachmann

Einen auf Lymphologie spezialisierten Gesundheitsfachmann finden Sie in unserem Verzeichnis unter folgendem Link: https://www.lymphosuisse.ch/recherche-d-un-professionnel

 

Kompressionstherapien können helfen,

 

  • ​das Schweregefühl zu verringern

  • ​den Komfort zu verbessern

  • das Gewebe zu stützen

  • die Beweglichkeit zu verbessern

  • Ödeme zu reduzieren, wenn eine lymphatische Komponente vorliegt

 

​Die Wahl der Kompressionstherapie muss individuell angepasst werden, je nach:

 

  • Körperbau

  • ​Symptomen

  • Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Ödemen

  • und der Verträglichkeit der Patientin

 

Das Angebot des Fachpersonals kann Folgendes umfassen:

 

  • ​Kompressionstherapie

  • ​Therapeutische Übungen

  • Therapeutische Aufklärung

  • Selbstmanagement

  • Bewegungsempfehlungen

  • Funktionale Begleitung

 

Manuelle Lymphdrainage

Die manuelle Lymphdrainage kann bei bestimmten Patientinnen hilfreich sein, insbesondere:

 

  • bei Vorliegen eines Lipolymphödems

  • ​bei starkem Spannungsgefühl

  • zur Anpassung einer Kompressionstherapie

  • oder wenn die Kompression allein nicht ausreicht, um die Symptome zu kontrollieren

 

Die manuelle Lymphdrainage ist jedoch nicht bei allen Patientinnen mit einem reinen Lipödem ohne ödematöse Komponente erforderlich.

Psychische Gesundheit und Lebensqualität

Das Lipödem kann erhebliche Auswirkungen haben auf:

 

  • ​das Selbstwertgefühl

  • das Körperbild

  • die psychische Gesundheit

  • die sozialen Beziehungen

  • die Lebensqualität

 

Bei einigen Patientinnen treten folgende Symptome auf:

 

  • Angstzustände

  • ​Depressionen

  • ​Essstörungen

  • chronisches psychisches Leiden

 

Eine ganzheitliche Behandlung muss diese Aspekte berücksichtigen und bei Bedarf eine geeignete psychologische Begleitung anbieten.

 

​Chirurgie bei Lipödem

 

​Wenn konservative Behandlungen keine ausreichende Linderung der Symptome bewirken, kann bei bestimmten ausgewählten Patientinnen eine chirurgische Behandlung in Betracht gezogen werden.

 

Das am häufigsten angewandte chirurgische Verfahren ist die spezialisierte Tumeszenz-Liposuktion.

 

​Die Ziele sind:

 

  • ​Schmerzen zu lindern

  • ​die Beweglichkeit zu verbessern

  • mechanische Einschränkungen zu verringern

  • die Lebensqualität zu verbessern

 

Die Operation ist keine „Wunderbehandlung“ und ersetzt nicht den ganzheitlichen Ansatz.

 

​Eine fachärztliche Beurteilung ist erforderlich, um Folgendes festzustellen:

 

  • ​die Indikationen

  • ​die zu erwartenden Vorteile

  • die Risiken

  • die Grenzen der Behandlung

Vor jedem chirurgischen Eingriff ist eine konservative Vorbehandlung unerlässlich.

 

Nach dem Eingriff ist eine langfristige Nachsorge wichtig und kann Folgendes umfassen:

 

  • ​Kompression

  • ​Physiotherapie

  • körperliche Aktivität

  • Selbstmanagement

  • fachärztliche Nachsorge

Leben mit einem Lipödem

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, die oft eine langfristige Umstellung erfordert.

 

Eine frühzeitige und multidisziplinäre Behandlung kann dazu beitragen:

 

  • ​die Mobilität zu erhalten

  • ​die Symptome zu lindern

  • eine gute Lebensqualität zu bewahren

  • Komplikationen zu vermeiden

 

Jede Situation ist einzigartig.

Die Therapieziele müssen individuell festgelegt und gemeinsam mit den spezialisierten medizinischen Fachkräften erarbeitet werden.

Leben mit einem Lipödem
Ich leide an einem Lipödem, was soll ich tun?
Ich leide an einem Lipödem, was soll ich tun?

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Eine Konsultation bei einem Angiologen kann sinnvoll sein, um eine umfassendere Gefässkontrolle durchzuführen. Mit diesen Daten können Sie Ihre Diagnose verfeinern und Ihre Versorgung planen.

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